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Demonstration für den verzögerungsfreien Wiederaufbau der Weißeritztalbahn bis Kipsdorf am 14.06.2009 in Kipsdorf


Stellungnahme der Interessengemeinschaft Weißeritztalbahn e.V.

Liebe Freunde der Weißeritztalbahn!
Für den zweiten Bauabschnitt der Weißeritztalbahn, das betrifft die 11 km lange Strecke zwischen Dippoldiswalde und Kipsdorf, sind die durch das Hochwasser 2002 bedingten Schäden bei weitem geringer als im unteren ersten Bauabschnitt zwischen Freital-Hainsberg und Dipplodiswalde. Wer sich mit der Strecke auskennt, wird feststellen, dass hier mit wenigen Mitteln und in kurzer Zeit wenigstens eine Befahrbarkeit bis Schmiedeberg realisiert werden könnte.

Es stimmt uns sehr froh, dass die Verantwortlichen in der Landesregierung, allen voran Herr Ministerpräsident Tillich, unermüdlich am Wiederaufbau der Weißeritztalbahn bis Kipsdorf festhalten. Leider gibt es aber immer wieder Probleme mit der zeitlichen Umsetzung der gegebenen Versprechen. Das war beim ersten Bauabschnitt der Fall, wo zwischen erstem Spatenstich (im September 2002, der Verf.) und tatsächlichem Baubeginn drei Jahre ins Land gingen. Und im oberen Abschnitt scheint sich eine ähnliche Situation zu entwickeln, die es erfordert, dass wir aktiv werden:
Wie schon vor dem Baubeginn des ersten Bauabschnittes erscheinen auch hier immer wieder neue bürokratische Hemmnisse, die den Wiederaufbau in Frage stellen. Erst ist es die fehlende Finanzierungsverordnung für den ÖPNV in Sachsen, die die weitere Planung verhindert. Dieses wichtige Dokument sollte schon lange rechtskräftig sein und schlummert wohl noch im Wirtschaftsministerium.
Danach tauchte das zweite Hemmnis auf: Die Kosten für den ersten Baubschnitt übersteigen die bisher geplante Summe. Seit Mai 2009 wird nun wieder einmal durch die Behörden geprüft, ob diese Mehrkosten auch förderfähig sind. Wie lange wird diese Prüfung dauern? Werden es zwei Monate oder etwa 2 Jahre? Erst danach wird entschieden, ob das Geld für den zweiten Bauabschnitt überhaupt fließen kann.

Zur Finanzierung des Wiederaufbaus der Weißeritztalbahn möchte ich den früheren Wirtschaftsminister des Freistaates Sachsen, Herrn Gillo, zitieren, der 2004 in Rabenau zum ersten Spatenstich sagte: „Der Bund gibt 10 Millionen Euro, der Freistaat finanziert den Rest“. Die Bereitstellung der 10 Millionen Euro verknüpfte der Bund mit der Forderung nach dem Aufbau der gesamten Strecke.

Liebe Freunde der Weißeritztalbahn!
Ich habe eine Vision: Aller zwei Stunden trifft ein Zug mit 7 Wagen in Kipsdorf ein. In jedem Wagen sitzen vielleicht 20 Personen. Damit bevölkern mehrmals am Tag hunderte Touristen Kipsdorf, machen halt in Hickmanns Stübl oder bei Herrn Stanzel in der Konditorei und schwärmen ins Osterzgebirge aus. Anschließend treffen unzählige Wanderer aus Altenberg ein: Durch eine kluge Absprache mit der Müglitztalbahn hat man die Anpassung der beiden Fahrpläne erreicht. Unter den Fahrgästen sind auch zahlreiche zahlungskräftige ausländische Touristen, die den Bahnhof Kipsdorf mit seinem noch funktionierenden Stellwerk als einmaliges Zeugnis der sächsischen Schmalspurgeschichte besichtigen wollen.
Doch wie sieht die Realität aus?
Wie schon im Zeitraum 2004 bis 2007 wird geprüft und geprüft!

Das nutzt dem Tourismus im Osterzgebirge gar nichts und schafft auch keine Arbeitsplätze, höchstens, ich bin jetzt einmal etwas polemisch, im neu eingerichteten Landratsamt in Pirna, dessen Rekonstruktion viele Millionen Euro verschlingen wird.

Will sich die jetzige CDU-geführte Landesregierung etwa dem Vorwurf aussetzen, ihre gegebenen Versprechen nicht einzuhalten? Dann wird allerdings Vertrauen und Zuversicht aufs Spiel gesetzt und man braucht sich über Wahlmüdigkeit und manches Wahlergebnis später nicht zu wundern.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!
Wir, die Mitglieder der IG Weißeritztalbahn, rufen Sie hiermit auf, Ihr Versprechen zum Wiederaufbau der Weißeritztalbahn bis Kipsdorf, das Sie vor einem halben Jahr in Rabenau gegeben haben, auch in die Wirklichkeit umzusetzen. Damit würden auch die letzten Flutschäden aus dem Jahre 2002 repariert. Zur Entscheidungsfindung schauen Sie dazu einfach mal nach Sachsen Anhalt, wo die Verlängerung der Harzquerbahn bis Quedlinburg von Herrn Minister Daehre, dem Wirtschaftsminister, als „Investition in die Zukunft“ (siehe Pressemitteilungen der Harzer Schmalspurbahnen GmbH, d.Verf.) angesehen wird.

Die Weißeritztalbahn ist die dienstälteste öffentliche Schmalspurbahn in Sachsen. Für ihren Erhalt als Kulturgut unserer sächsischen Heimat wird die IG Weißeritztalbahn auch weiterhin sachlich, mit Beharrlichkeit und auch der notwendigen Penetranz kämpfen. Wir lassen nicht zu, dass sie amputiert wird.

Wir fordern nicht den schnellstmöglichen, sondern den sofortigen Beginn des Wiederaufbaus bis Kipsdorf!

Wolfgang Schwab (IG Weißeritztalbahn)